Budapest einst und heute

Budapest einst und heute

Der 17. November 1873 bedeutete den Anfang einer neuen Epoche in der Geschichte der ungarischen Hauptstadt, nachdem das historische Buda mit der blühenden Handelsstadt Pest vereinigt wurde. Die bedeutendsten Gebäude des heutigen Stadtbildes waren damals schon errichtet, und Pest galt mit seinen 200 476 Einwohnern bei weitem als die größte Stadt im Land.

Millenniumsfeste

Das tausendjährige Jubiläum Ungarns wurde an der Sylvesternacht 1895 mit einem Glockengeläut begrüßt, das durchs ganze Land schallte. Neue Verordnungen im Parlament, Denkmäler an den Grenzen, andesweite Feste und Feier – all dies trug zur Verewigung des Millenniums bei. Am 2. Mai eröffnete Franz Joseph I. die imposante Ausstellung im neugebauten Stadtpark. Neue öffentliche Bauten wurden ingeweiht: der große Ring, Nagykörút, wurde in voller Länge eröffnet; die heutige Untergrundbahn M1 fuhr als erste am Kontinent los; die Franz Joseph-Brücke, heute Freiheitsbrücke, wurde neben dem Museum für Kunstgewerbe, der Kunsthalle und dem Lustspieltheater Vígszínház eingeweiht. Außerdem wurde das Fundament der neuen königlichen Burg gelegt, und das Museum der schönen Künste befand sich mit der Elisabethbrücke auch im Bau. Sogar die ersten Filmaufnahmen aus Ungarn wurden an einem der Millenniumsfesten gedreht: die Kameraleute der Gebrüder Lumière hielten den estumzug im Budaer Burgviertel fest. Zsigmond Sziklai, der erste ungarische Kameramann nahm die Eröffnungszeremonie der Munkácsy-Ausstellung im Stadtpark auf, seine Aufnahmen sind aber verloren gegangen.

Budaer Festumzug 1896 – eines der ersten ungarischen Filmaufnahmen

Infolge der Bildungsreformen von Baron József Eötvös entstand im Jahre 1895 das József Eötvös Collegium. Die niveauvolle Lehrerausbildung gab dem ungarischen Geistesleben und der Kultur solche Wissenschaftler und Künstler wie Zoltán Kodály, Béla Bartók, Ernő Dohnányi, Gyula Szekfű, Dezső Szabó und Béla Balázs.

Jugendstil an der Jahrhundertwende

Die Jahrhundertwende war von der wirtschaftlichen und politischen Krise der Österreichisch- Ungarischen Monarchie und von Initiativen für die ungarische Kultur geprägt. Der Jugendstil wurde infolge Ödön Lechners Bauwerk zum Nationalstil, der u.a. durch glasierte Dachziegel, Verzierungen aus Pirogranit, und eine Ornamentik durch indische, persische, maurische und ungarische Volkselementecharakterisiert wird. Die folklorisierten Verzierungen der Lechner-Schule hinterließen zahlreiche imposante Bauten vom Oberland bis Siebenbürgen, in Budapest sind von ihm das Kunstgewerbemuseum, das Geologische Museum und das heutige Schatzamt zu sehen. Der Gresham-Palast wurde anhand von den Plänen Zsigmond Quitters und der Gebrüder Vágó gebaut, und ein Großteil des Tiergartens wurde nach Plänen von Károly Kós und Dezső Zrumeczky angefertigt.

Die Lage nach Trianon

Der den ersten Weltkrieg abschließende Friedensvertrag von Trianon löste den multikulturellen Charakter der ungarischen Gesellschaft auf und stärkte deren sprachliche und kulturelle Homogenität. Bedeutende Kultusminister in der Zwischenkriegszeit waren Kunó Klebelsberg und Bálint Hóman. Um die Lebenschancen des wirtschaftlich bankrotten und gesellschaftlich unmodernen Ungarn zu ewahren, führte Klebelsberg zwischen 1922 und 1931 eine zeitgemäße Kulturpolitik. Er glaubte daran, dass die neuen Grenzen provisorisch seien und die Nationen einen Kulturkampf führten – in sofern könnte Budapest aus den Staaten Europas mit seiner kulturellen Überlegenheit und Bildung hervorragen. Hóman legte während seines zehnjährigen Mandats einen großen Wert darauf, talentierte Kinder aus armen Familien in die Intelligenz zu erheben, und betonte die Wichtigkeit der nationalen Inhalte im Schulunterricht. Touristischer Film aus Budapest. „Ich glaube an Gott, ich glaube ans Vaterland” – steht neben dem Bild des alten Ungarn, aus Blumen ausgelegt.

Stalin-Barock

Nach dem II. Weltkrieg herrschte wilder Stalinismus im Land. In Budapest ist der sozialistische Realismus, der sog. Stalin-Barock erschienen. Das Stadtbild wurde grundlegend verändert: das Nationaltheater wurde abgerissen, und in den Außenbezirken fing man mit dem 20-jährigen Wohnungsbauprogramm an. Einfach dekorierte Schaufenster erwarteten die Besucher auf den Straßen, in denen es nur staatseigene Geschäfte gab. Trotz der vielen Mangelwaren war die Produktversorgung stetig. Zentrum der Revolution am 23. Oktober 1956 war Budapest. Bis Ende der Sechziger wurden die im Weltkrieg zerstörten Gebäude wiederhergestellt. Jede Brücke wurde restauriert, als letzte die völlig neu gebaute Elisabeth-Brücke im Jahre 1964.

Autorenfilme in den Sechzigern

Die ungarische Filmkunst ging mit dem passiven und aktiven Widerstand Hand in Hand: als Hauptthema hatte sie Machtverhältnisse und Ideologie. Bei Kunstfilmen, die auf politische Deutungen und Symbole basieren, kann man eine Art byzarre Symbiose zwischen Filmkünstlern mit einem anstößigen Ton und dem Publikum, das die Botschaft dieser Filmkünstler zu interpretieren versucht, beobachten. Regisseure dieser Epoche wie Miklós Jancsó, István Szabó, Károly Makk wurden weltberühmt; ihre Filme wurden in zahlreihen Ländern Europas gespielt. Betyarenmiliö in der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts. Ein Film von Miklós Jancsó aus 1965.

Die lustigste Baracke

Nach der Vergeltung der 1956-er Revolution veränderte sich die Lebensweise der ungarischen Gesellschaft radikal. Immer mehr Leute reisten ins Ausland, immer mehr Personenkraftwagen waren auf den Straßen zu sehen. Im Jahre 1970 wurde in Budapest die erste Strecke der Ost- West-Metrolinie und 1976 die Nord-Süd-Linie in Betrieb genommen. Unter den sozialistischen Ländern wurde Ungarn zur „lustigsten Baracke” – und die unsichere Parteiführung, welche die Revolution selbst erlebt hatte, bildete dessen politischen Grund. „Wer nicht gegen uns ist, ist mit uns”, verkündete János Kádár, Parteisekretär.

Produkt des Gulaschkommunismus: ungarische Jeans.

Bauarbeiten der Metrolinie 2.

Die Wende

In der Geschichte Ungarns im XX. Jahrhundert ist die politische Wende um 1989 am besten mit den Jahren um 1918 (post-Dualismus – Räterepublik – Horthy-Ära) und mit denen zwischen 1944-1948 zu vergleichen. Bei all den drei Wendeperioden kann man feststellen, dass sie das Machtsystem drastisch veränderten: Institutionen, Verordnungen, (geschriebene und ungeschriebene) Normen und Traditionen von mehreren Jahrzehnten lösten sich auf. Das autoritäre Einparteisystem wurde 1989, dank politischer Reformen, zu einer parlamentarischen Demokratie mit Mehrparteisystem. Wirtschaftlich und gesellschaftlich gesehen brachte die Wende ebenfalls radikale Änderungen. Nach der Umstellung auf die Marktwirtschaft wurde das staatliche vom Privateigentum abgelöst. Andererseits wurde infolge der Veränderung der Marktverhältnisse und der wirtschaftlichen Krise die Struktur der Einkommen bedeutend umgestaltet, was in der Ungleichheit von den Privateinkommen wahrzunehmen ist.

Der Film untersucht und stellt den psychischen Zustand von Wut und Angst des osteuropäischen kleinen Manns dar, womit dieser über die Rechtmäßigkeit seines eigenen Anwesend-Seins immer wieder in Zweifel gerät.

Budapest heute

Nach der Wende haben in Budapest bedeutende infrastrukturelle Investitionen begonnen, wie zum Beispiel die Rekonstruktion der großen Ringstraße, der Nagykörút und der Millenniumsuntergrundbahn, der Bau der heutigen Rákóczi-Brücke, des Kulturzentrums Millenáris und des Infoparks. Es wurden der Palast der Künste, das neue Nationaltheater, der Eiffelsplatz und das Corvin-Viertel errichtet. Nach einem Tauziehen von Jahnzehnten wurde mit der Metrolinie 4 im Jahre 2007 angefangen, die seit 2014 für den Verkehr freigegeben ist.