Leopold Baumhorn

Die Synagoge in Szegedin

Architekt; bedeutendste Persönlichkeit der ungarischen Synagogenbaukunst

Leopold Baumhorn wurde in der Zeit der jüdischen Emanzipation in Ungarn geboren. Zwischen 1883 und 1894 arbeitete er im Architektenbüro Pártos&Lechner – daher wurde sein Stil von Lechners eklektischer Kompositionsweise außerordentlich beinflusst. Seine künstlerische Tätigkeit von mehreren Jahrzehnten bestand zum größten Teil im Entwerfen und Errichten von Synagogen, wie unter anderen die Synagogen in Gran (Esztergom), Temeschburg (Timişoara; heute in Rumänien), Szolnok, Szegedin (Szeged) und St. Veit am Flaum (Rijeka; heute in Kroatien).

Die Synagoge in Szegedin (Szeged)

H-6700 Szeged, Gutenberg Str. 13.
Tel.: +36 62 423 849

Die Synagoge in Szegedin (Szeged) ist die zweitgrößte Synagoge in Ungarn bzw. die viertgrößte der Welt. Das monumentale, 48.5 Meter hohe Gebäude wurde etwa zwei Jahre lang (1900-1902) im maurischen und Jugendstil erbaut: ihre barockisierende Kuppel ist im byzantinischen Stil, das Sprossenwerk über der Orgel im gotischen, bzw. die Chorsäulen im romanschen Stil gehalten. Schönster Teil der Synagoge ist die Innenseite der Kuppel, welche die Welt symbolisiert. Die vier Wörter in hebräischer Sprache über den vier Marmorsäulen bedeuten die Tora, das Lernen und das Ausüben der Wohltätigkeit. Die 24 Säulen des Tambours symbolisieren die 24 Stunden des Tages, während die Blüten der Heckenrose als Zeichen für den Glauben stehen. Vom grünbraunen Ornament der Kuppel bis zur immer dunkler werdenden blauen Glasbedeckung des Sternenhimmels wird das Erlebnis des unendlichen Raumes vermittelt. Das bemalte Kuppelfenster und jedes bunte Glasfenster des Tempels wurde in der Werkstatt des Maximilian Roth angefertigt. An den Jugendstilfenstern im Erd- und ersten Geschoß des Tempels werden die wichtigen Ereignisse der jüdischen Religion und Geschichte dargestellt. Ein bedeutendes Bild ist über dem Haupteingang zu sehen: es zeigt das Bild der Alten Synagoge mit einem Boot (dies deutet auf das Hochwasser in Szegedin im Jahre 1879 hin), daneben ist ein Bild mit dem von Baumhorn entworfenen Neuen Synagoge zu sehen.